So viel Spaß

Und erneut ist ein Firmwochenende vorüber … wie im letzten Jahr fand es im Kloster Benediktbeuren statt. Und was sich abschreckend anhört (Kloster!), ist nicht so schlimm: innerhalb des alten Klosterbaus gibt es neben dem „Aktionszentrum“ auch eine Fachhochschule und eine Jugendherberge. Geleitet werden diese Einrichtungen von den Salesianern Don Boscos, einer Ordensgemeinschaft, die sich der Jugendarbeit verschrieben hat.

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Klosteranlage Benediktbeuren

Immer wieder werde ich aber auch gefragt, warum gerade ich mir ein Firmwochenende antue. Und eigentlich ist die Antwort ganz einfach (und diese wissen auch die Hauptamtlichen bis hin zum Bischof): weil ich sehr gut zwischen christlichen Glauben und Amtskirche unterscheiden kann und mir die Jugendlichen wichtig sind.
Bei ersterem ist für mich selbstverständlich, dass ich nicht die offizielle Lehrmeinung der Amtskirche vertrete, wenn ich nicht selbst hinter dieser stehe. Aber ich zeige gerne, wofür auch der Glaube stehen kann und sollte: für Offenheit, christliche Grundwerte leben und die Herausforderung, die anderen so an zu nehmen wie sie sind und sie zu unterstützen. Dass ebenso Lachen und Spaß zu einem erfüllten Leben gehören und nicht im Widerspruch zum Glauben steht.
Wie gut mir das gelingt ist eine andere Frage.

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Individuelle Stäbe

Die meisten Firmwochenenden sind von Spaß und positiven Erlebnissen geprägt, so dass der fehlende Schlaf nicht so ins Gewicht fällt (dieses Jahr waren es gesamt 7 Stunden Schlaf an 2 Tagen). Wichtig als Betreuer: nie den fehlenden Schlaf anmerken lassen und immer motiviert dabei sein.

Und weil es das bisher lustigste Firmwochenende in all den Jahren war, hier ein paar Erlebnisse zum Erinnern:

Dieses Firmwochenende mit 48 Firmlingen plus zehn Betreuern fing schon damit an, dass die anderen Firmbegleiter über mein Aussehen (gute Hose und Hemd, rasiert, beim Friseur gewesen) lästerten – ein wohl zu ungewohntes Erscheinungsbild.

Bereits im Bus begannen die Verhandlungen über Gummibärchen und andere Süßigkeiten, dafür gab es Schuhe im Austausch zurück.

Vor Ort wurden die Zimmer bezogen und ich zog meine warmen „Tiger-Hausschuhe“ an. Als wir uns im Gruppenraum trafen, kam bereits eine Antwort: „Ah, F. hat mich bereits gefragt, ob Du wie vor zwei Jahren Deine Tiger-Hausschuhe an hast.“

Dann hörte ich ein „Tom, Du hattest so viele Pluspunkte bei den Firmlingen. Und dann hast Du die Regeln vorgestellt. Warum!?!“
Das frage ich mich auch immer. Aber nicht warum es Regeln gibt, sondern warum ausgerechnet ich sie vorstellen muss.

Am Ende des Freitag-Abend-Workshops meinte einer der Firmlinge, dass er am nächsten Morgen mit einem Latte Macchiato geweckt werden will. Schließlich sei 8 Uhr schon extrem früh für einen Samstag.
Als ich am Samstag Morgen mit dem gewünschten Kaffee vor seinem Bett stand, blinzelte er mich nur an: „Nicht wirklich, oder?“
Weitere Bestellungen für Sonntag nahm ich nicht mehr an.

Kurz darauf gab es von einigen Mädchen die Beschwerde, dass wir Betreuer bei unserer Nachtwache viel zu laut gewesen wären. Auf meine Frage, warum sie uns das nicht in der Nacht gesagt haben, kam ein lapidares „Das wäre ja voll spießig gewesen!“.

Das Morgenlob fand im Freien im Kreuzgang statt – wann steht dort schon mal ein Piano?

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Morgenlob

Nach dem Mittagessen durfte ich die Chiptstüte öffnen. Ich warf sie über den Kopf eines Mädchens und ließ meine Hände dort zusammen klatschen, bevor ich die Chipstüte auffing. Das klappte drei Mal …

Einem frechen Gruppenleiter drohte ich an, ihm Haare ab zu schneiden. Und machte dies dann auch.

In der „freien“ Zeit (immerhin waren wir Ehrenamtliche als Ansprechpartner die gesamte Zeit im großen Foyer ansprechbar) spielte Tim Schach mit mir – und wenn nicht die Zeit abgelaufen wäre, hätte ich zum ersten Mal seit damals ™ in Luzern ein Schachspiel auf einer Freizeit verloren.

Das Billardspiel mit anderen Betreuern war mein erstes nach längerer Zeit. Trotzdem konnte ich einen Lauf im ersten Spiel hinlegen und souverän gewinnen.
Bei der zweiten Runde, dann zu viert, erklärte ich, wie Kugeln angeschnitten („effet“) werden müssen – „das ist unmöglich, die so zu spielen“ hörte ich nur einmal. Marlene demonstrierte, dass es möglich war.
Als ich eine andere Kugel anpeilte, um sie nach Ansage über Bande an einer anderen Kugel vorbei zu versenken, kam von Korbi der Spruch „Wenn Du das schaffst, bist Du ab sofort mein Vorbild“.
Luft holen. Vorbeugen. Konzentrieren. Den Queue spüren. Abbrechen.
Erneut konzentrieren, abbrechen, aufschauen und zu Korbi sagen „Ich bin kurz davor, dafür meine Seele zu verkaufen. Du setzt mich zu sehr unter Druck.“
Den anschließenden Stoß vergeigte ich hochkant.

Irgendwann hatte ich Korbis Schuhe und Pullover an (am Sonntag auch noch seinen Schal, aber der war viel zu warm). Als ich ihm die Sachen am Sonntag Vormittag zurück brachte, wies ich darauf hin, dass ich nicht mit seinem Pullover in der Nacht gekuschelt habe. „Schade aber“ war seine Antwort.
Wer flirtete hier eigentlich mit wem?

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Schuhtausch

Am Samstag Abend spielten wir (als freiwilliges Angebot) mit 22 Jungs und Mädels drei Stunden lang Werwolf. Die lange Spielzeit („Nochmal!“) zeigte, dass nicht nur ich Spaß hatte.

In der Nachtwache auf Sonntag entdeckten wir einen großen Haufen Schuhe im Flur. Klar, dass da Bandenbär Calvin los ziehen musste und einen großen gordischen Knoten mit den Schnürsenkel baute.

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Voll bandig!

Ansonsten flirtete Calvin mit den Mädels und kletterte mit den Jungs.

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Kletterversuch

In einem Workshop am Sonntag entdeckte ich ein hübsches Mädel und schaute sie erstaunt an: „Bist Du schon seit Freitag mit dabei? Ich habe Dich gar nicht gesehen.“
Später stellte ich ihr Korbi vor und lobte ihn ihr gegenüber in den besten Tönen. Sie wurde erstaunlich rot, machte ihm aber keinen Heiratsantrag.
Und ja, meine Frau schimpfte mich später dafür.

 

Es gab noch viele Kleinigkeiten (bspw. über Rituale beim Öffnen eines neuen Nutella-Glases), die entweder schwer zu beschreiben sind oder doch privater Natur (so wie es in den Gruppenstunden heißt: was hier besprochen wird, bleibt hier).
Wichtig ist, zum richtigen Zeitpunkt die Jugendlichen ernst zu nehmen und ihnen zu zuhören. Keine vorgefassten Meinungen zu haben, sondern jeden individuell an zu nehmen.
Und es gibt nichts, worüber wir nicht reden können.

Besonders freute mich aber, dass einige ehemalige Firmlinge als Gruppenleiter mit kamen. Auch wenn sie mich Sugardaddy schimpften …

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Stolz (aber erzählt es ihnen nicht)

(Mit ausdrücklicher Erlaubnis aller abgebildeten und erwähnten Personen)

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Über fliegerbaer

Flugsüchtig. Dosen suchend. Neugierig.
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