Kaffee, froh und dankbar

Endlich Kaffee. 

Kaffee

Endlich daheim. 

Und was sich entspannt an lässt (an einem Werktag um 16 Uhr daheim Kaffee trinken klingt gut), ist mehr das Verlieren der Anspannung des Tages. 

Der Morgen ließ sich normal an: Ronja wecken, Linus zum Duschen treiben, Frühstück her richten … als aus dem ersten Stock Glas klirrte, etwas laut krachte und ein Schrei ertönte, der in heulen überging. 

Die Zeit steht still heißt es manchmal, für uns aber nicht: panikerfüllt liefen wir in den ersten Stock, schoben Ronja im Flur zur Seite und liefen ins Bad, wo Linus schreiend und blutend am Boden lag. 

Im Nachhinein erstaunt mich dabei immer, dass ich, sobald eines meiner Kinder betroffen ist, alle Kühlheit verliere. Ungezählt ist wie oft ich Erste Hilfe bei Bekannten und Fremden leistete, besonnen reagierte und „funktionierte“.  Aber jetzt, als mein eigenes Kind betroffen war, kniete ich relativ hilflos neben ihm und die normalen Abläufe waren in weiter Ferne. Beruhigen, kontrollieren wo er blutete und ihn in unser Bett bringen dauerte länger als sonst. 

Ronja: „Wir können Leas Papa holen, der ist Doktor.“
Tom: „Wir brauchen keinen Doktor, wir brauchen einen Arzt.“
Ronja: „Aber das ist er doch!“

Ihr jetzt zu erklären, dass Doktortitel uns nichts bringen, verknief ich mir. 

Linus „untersuchen“, beruhigen und telefonieren, während sich Bianca um Ronja kümmerte (waschen, anziehen, Frühstücken und in die Schule schicken) … irgendwann funktionierten wir doch wieder rational. 

Keine Odyssee, sondern organisiert (nicht von uns, sondern vom Arzt mit Team) ging es ins Kinderkrankenhaus in Schwabing. Die Aufmunterungsversuchen von Linus (der Kopfverband mache ihn zu einem Sturmtruppler; das Anschnallen auf der Krankenliege wäre dafür dass er nicht auf springt und in die Schule läuft, …) verbot er sich, wohl mehr genervt davon. Lieber diskutierte er darüber warum Anfang der 90er Jahre das Hacken nicht illegal war.  

Im KKH ging es darum warum es Anschlüsse für Vakuum, Druckluft und O2 in der Notfallchirurgie gibt und was dort ein Fahrradschloss macht. 
Das war uns lieb, zeigte es uns doch, dass Linus geistig wach war und seine Schmerzen im Bauch ausblenden konnte. 

Zur weiteren Untersuchung (Ultraschall) ging es für Linus im Rollstuhl. Für ihn eine neue Erfahrung, die so lange lustig ist, so lange man noch aufstehen kann. 

Die Wartezeit vor dem Sonar wurde überraschend überbrückt mit Spielen: direkt neben dem Warteraum gibt es ein Spielzimmer mit Betreuung. Die sehr nette Betreuerin zeigte uns ein neues Kartenspiel und so konnten wir schmunzelnd die Zeit bis zur Untersuchung verbringen. 

Die sehr netten Ärzte untersuchten Linus und konnten dann größtenteils Entwarnung geben. 

Jetzt sitzen wir wieder daheim, sind froh und dankbar, dass nichts schlimmeres passiert ist und schlürfen an unserem Kaffee, während Linus das Harry Potter-Hörbuch anhört. Die Anspannung fällt ab. 

Froh sind wir auch darüber, dass wir Arbeitgeber haben, die sehr flexibel auf unsere Situation reagiert haben und sich Leute um Linus kümmerten, die sich trotz oder gerade wegen ihrer Professionalität fürsorglich, beruhigend und schmunzelnd um Linus kümmerten. 

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Über fliegerbaer

Flugsüchtig. Dosen suchend. Neugierig.
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Eine Antwort zu Kaffee, froh und dankbar

  1. magguieme schreibt:

    Das liest sich ja wirklich wie eine Alltags-Horrorgeschichte. Bis Linus sich verbietet und fragt und sich einige Lächeleien in deinem Bericht einfinden. Ich bin mit euch froh, dass es den Umständen entsprechend gut ausgegangen ist und ihr wieder zur Ruhe gefunden habt.

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