KäFerrari

Nach 16 Jahren kam die Trennung: die Trennung von meinem Traumauto.

Meinem roten VW-Käfer.
Rot. Im Ferrari-Rot.

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Was haben wir gemeinsam erlebt.

Dein lustiges Hupen, nach dem sich jeder umgedreht hat.
Dein charakteristische Motorsound, an dem dich jeder schon von weitem erkannte.
Das Parken, immer hangabwärts, falls Du mal nicht anspringen wolltest (aber immer im Flachland angesprungen bist).
Als ich Dich zur Probe gefahren habe – bei heftigem Regen eine Runde um den Block.
Wie meine Verlobte sagte, ich solle „cool sein“, damit der Preis für Dich realistisch ist und ich so gelassen und cool wie noch nie in meinem Leben war. Und Dein Vorbesitzer nach dem Verkauf sagte: „Du bist so begeistert um den Käfer gesprungen, da wusste ich: da ist er in guten Händen.“
Als mein Vater am Telefon skeptisch war, welches Auto ich mir da hatte andrehen lassen. Und dann er selbst begeistert vor Dir stand.
Bei der Anmeldung der Beamte, der begeistert nach dem richtigen Nummernschild für Dich suchte: VW 11, nachdem VW 72 schon vergeben war.
Deine Erstzulassung am Nikolaustaug 1972.
Und als Du an meinem Hochzeitstag nicht anspringen wolltest – aber nur bei der Fahrt zum Standesamt. Nach dem Standesamt bist Du aber anstandslos sofort angesprungen.
Das zusätzliche Bleimittel, dass Du nach jedem Tankvorgang benötigt hast.
Dein Öl-Verbrauch – gegen jede Vorhersage weniger als ein modernes Auto.
Als nach einer Bergtour zum Drachensee Dein Türschloss auf der Fahrerseite sich nicht öffnete und wir jeweils über die Beifahrerseite eingestiegen sind.
Wer alles mit Dir mitfahren wollte – Du hast gegen jedes andere Auto gewonnen.
Wie oft habe ich dem TÜV und der Werkstatt erklärt, dass Du erst 160.000 km hast – trotz Deines hohen Alters.
Das Foto-Shooting mit Dir und den Mädels.
Als Dich der ADAC abschleppen musste und Dich in die McLaren-Werkstatt brachte – und alle Mitarbeiter kamen und Dich bewunderten.
Bei Dir war es immer warm – selbst im tiefsten Winter in den Bergen.
Wie Du nicht nur mein Hochzeitsauto wurdest, sondern sich auch Kerstin und Martin ausdrücklich Dich zu ihrer Hochzeit wünschten.
Die vielen Fahrten quer durch Bayern und die weitere Umgebung hinaus – ob auf der Autobahn, im Dorf oder auf Nebenstraßen. Alle hast Du souverän genommen.
Mein Sohn, der schon als kleines Kind begeistert vor Dir stand und sich wünschte, mit Dir zu fahren.
Er als Dreijähriger auf Deinem Fahrersitz saß. Und ich davon träumte, wie er mit 18 Jahren Dich fahren wird.
Und unsere Fahrten zum Flughafen: sich nach der Landung freuen, dass jetzt nochmals ein schöner Höhepunkt mit der Fahrt mit Dir kommt.

Und noch so viel mehr.
Danke dafür.

Und auch wenn ich jetzt Tränen in den Augen habe: der, der Dich jetzt hat, wird sich wunderbar um Dich kümmern.

Mach’s gut. KäFerrari.
Wrumm.

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Über fliegerbaer

Flugsüchtig. Dosen suchend. Neugierig.
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